ALLE HABEN WEGGESEHEN (2/4)

ZDFinfo – ZDF, 2022 – 46 Min.

Ein Film von Volker Wasmuth und Tabea Mirbach Auf dem Campingplatz gibt es Erstaunen darüber, dass ein 56-jähriger, arbeitsloser Mann, der in einem Wohnwagen mit Holzverschlag lebt, von Amtswegen die Fürsorge für ein Kind bekommt. Fatale Fehlentscheidungen bei den beteiligten Jugendämtern.

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Andreas V. ist glücklich: Das Jugendamt Hameln-Pyrmont hat ihm die Pflegschaft für ein sechsjähriges Mädchen übertragen. Nach neun Monaten Eignungsprüfung ist er nun endlich Papa, verkündet er fröhlich. Auf dem Campingplatz wundert man sich.

Vom Jugendamt abgesegnet
Doch man weiß auch: Das Amt hat alles geprüft, auch die Wohnverhältnisse auf dem Campingplatz. Alles wird seine Richtigkeit haben, vor allem auch, weil die leibliche Mutter des Mädchens Andreas V. als Pflegevater vorgeschlagen hat.

Tatsächlich prüft das Jugendamt Hameln-Pyrmont die Pflegeeigenschaften von Andreas V., schaut in das Leben des 56-jährigen Arbeitslosen. Die vermüllte Behausung auf dem Campingplatz fällt auf. Doch später wird der Leiter des Jugendamts aussagen, dass das Jugendamt täglich noch schlechtere Wohnbedingungen sieht. Entscheidend sei auch nicht das Wohnumfeld, sondern die Beziehung von Pflegevater und Kind. Das Verhältnis sei sehr gut gewesen. Die Kleine fühlte sich bei Andreas V. sichtlich wohl und nannte ihn ohnehin schon Papa.

Inkompetenz, Vertuschung, Manipulation
Eine Sonderermittlerin bringt im Untersuchungsausschuss auf den Punkt, was die Verantwortlichen von sich weisen: Es gab mindestens vier Hinweise darauf, dass Andreas V. völlig ungeeignet als Pflegevater sei. Vor allem, weil nicht nur aktuell Hinweise auf Pädophilie vorlagen. 

Beim Jugendamt wusste man nachweislich von der sexuellen Störung von Andreas V. Die Staatsanwaltschaft entdeckt, dass der Verdacht in einem sogenannten Genogramm über Andreas V. beim Jugendamt bereits aufgenommen wurde. Dieses Genogramm wurde gelöscht, als der Missbrauch aufflog. Weitere Akten manipuliert. Das eigene Versagen sollte vertuscht werden.

Massives Behördenversagen mit verheerenden Folgen
Die Doku-Serie „Die Kinder von Lügde – Alle haben weggesehen“ versucht, in vier Folgen herauszufinden, wie es möglich war, dass so viele Menschen weggesehen haben: auf dem Campingplatz, im Ort, bei den Jugendämtern, bei der Polizei.